Feenfeuer Schamanismus

Die Geister des Schamanen

Eine Eigenschaft „klassischer“ schamanischer Arbeit ist der Einbezug von verbündeten Geistern. Genauer gesagt ist der Schamane eher eine Person, die ein verlängerter Arm der Geister ist. Er führt „nur“ deren Anweisungen aus. Ich vergleiche das sehr gerne mit dem „Fräulein vom Amt“, das früher einen Anruf durchstellte. Die Verbündeten, die dem Schamanen bei der Arbeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, sind Geistwesen, denen er in den Jahren der Ausbildung und Reifung zu vertrauen gelernt hat und auf die er sich verlassen kann. Manche „Kollegen“ nennen sie „mitfühlende Geister“, was ein recht treffender Begriff ist.

In der heutigen „Szene“ werden meistens 2 Hauptverbündete genannt. Das eine ist das Krafttier, und das andere ist der Lehrer. Da in den meisten Seminaren von einer Dreiteilung der Welt ausgegangen wird, bleibe ich mal bei diesem Weltbild, um dann später einige Varianten zu nennen: das Krafttier ist meistens in der „Unteren Welt“ zu finden, während der Lehrer oft in den Gefilden der „Oberen Welt“ ist. Nun lasst uns mal die zwei Verbündeten genauer anschauen:

Krafttiere

Das Konzept vom Krafttier ist aus der „Harner-Schule“ bekannt. Hierbei handelt es sich um einen Tiergeist, der die Kraft des jeweiligen Schamanen repräsentiert. „Kraft“ ist hier wirklich wörtlich zu verstehen – der Tiergeist schützt einen und verleiht einem (Vital)Kraft, und er zeigt einem auch den Aufgabenbereich des Schamanen auf – zumindest in groben Schwerpunkten. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: jemand, der einen Geier als Krafttier hat, wird schwerpunktmäßig eher Arbeit mit Verstorbenen machen als jemand, der z.B. einen Adler hat.

Harner sagt, dass Krafttiere wechseln können, weil ein Mensch sich weiterentwickelt. Das kann durchaus richtig sein, aber wird in den meisten Büchern arg dogmatisch dargestellt. Man sollte bedenken, dass das Konzept“ Krafttier“ von den Natives in Nordamerika übernommen wurde und dass es z.B. bei den Südamerikanern wiederum ganz anders aussieht – da gibt es keine Krafttiere, sondern Kraftsteine oder Kraftberge. Aus diesem Grund ermuntere ich heute Teilnehmer meiner Basiskurse, sich gar nicht so sehr auf Tiergeister „einzuschießen“, sondern offen zu sein. Es kann sich auch ein Pflanzengeist als „Kraftträger“ zeigen.

Es gibt noch ein anderes Dogma in der „Harner-Schule“, das ich ansprechen möchte: oft wird behauptet, dass Insekten Krankheitsgeister seien. Betrachtet man Bienen, Ameisen oder Wespen, dann sollte klarwerden, dass dem nicht unbedingt so sein muss. Das Krankheitsgeister Insekten seien, stammt aus Südamerika, die dortigen Schamanen nehmen ungute Geister oft auf diese Art und Weise wahr. Im Zweifelsfalle rate ich, auf das Bauchgefühl zu hören und evtl. den Geist zu bitten, sich in einer anderen Form zu zeigen. Allerdings habe ich auch schon erlebt, dass der Spinnengeist sich explizit Spinnenphobikern als Verbündeter angeboten hat – wo das Übel, da die Heilung.

Der schamanische Lehrer

Auch der Lehrer ist mehr oder weniger ein „Harner-Konzept“, wenn auch ein recht gutes. Er weilt meist in der oberen Welt und erteilt dem, der ihn besucht, Rat. Oft haben diese Ratschläge mit Spiritualität, Lebensführungen und Entscheidungen, die wichtig sind, zu tun. Es ist also immer ratsam, bei schwierigen und wichtigen Fragen diesen Geist aufzusuchen und zu befragen. Allerdings gibt es auch hier Dogmen, die ich etwas relativieren möchte: zwar ist der Lehrer meist in der Oberen Welt, aber er kann auch in der Unteren Welt sein. Oder das Krafttier ist der Lehrer. Auch das ist möglich, da jeder Mensch unterschiedlich ist und verschiedene Kräfte hinter sich stehen hat. Reisen, Üben und Lernen ist hier das Zauberwort.

Die Verbündeten des Schamanen

Das Krafttier und der Lehrer (ich bleibe der Einfachheit halber mal bei diesen Begriffen) sind im Grunde keine „Verbündeten“, sondern enge Freunde. In manchen Kulturen sind sie sogar mit dem Schamanen verheiratet. Solche „Geisterehen“ stoßen hierzulande oft auf Unverständnis und werden als primitiv bis pervers angesehen, aber man sollte bedenken, wie stark und innig eine derartige Verbindung sein kann. Auch hierzulande gibt es Geisterehen – mindestens eine ist mir persönlich bekannt.

„Verbündete“ müssen nicht unbedingt so eng mit dem Schamanen befreundet sein. Oft sind es Spezialisten für bestimmte Bereiche (z.B. Kampfmagie), und das Verhältnis kann von Freundschaft bis zu einem einmaligen bezahlten Job, den der Verbündete ausführt, alles sein („Ich selber kann das nicht, aber lass mich dich mal zu jemanden bringen, der macht den Job. Allerdings musst du ihm dann Folgendes opfern…“). Auch hier können Freundschaften oder tiefere Beziehungen entstehen, oder Verhältnisse können auch aufgekündigt werden (auch nicht anders als in der Menschenwelt). Tatsächlich kann die Kraft eines Schamanen mit der Anzahl der Verbündeten steigen, er kann damit auch seine Aufgabenbereiche erweitern. Besonders typisch ist das in Südamerika, da werden teilweise Hunderte von Pflanzengeistern vom Schamanen „gesammelt“.